Spreewaldtour Lübbenau

01. bis 10. August 2005

von Barbara Pitschke, Fotos: Norbert Leusch

Unsere diesjährige Vereinsfahrt sollte uns zum Spreewald auf den Campingplatz „Am Schlosspark“ führen. Also machten wir uns mit 22 Personen, 6 Autos, Bootsanhänger, Zelte und Campingwagen auf den Weg (Gepackt wurde schon am Samstag). Start war um 7:30 Uhr geplant, aber Finkentypisch ging es dann um 8:00 Uhr endlich los.

Mo. 01.08.2005 Ankunft
Wir, Barbara, Walter, Max und Jan, waren schon um 11°° Uhr da und verteidigten den zugewiesenen Platz gegen neu ankommende Camper. Sehnsüchtig erwarteten wir die restliche Gruppe, die erst gegen 15°° Uhr eintraf. Waren die P - Pausen so lange? Die Zugeparkte Einfahrt konnten wir nicht verhindern und so wurde kurzerhand das Geländer der Platzabgrenzung umgestellt – kein Problem, wenn alle mit anpacken. Die Zelte wurden bei schönstem Wetter aufgebaut und der Vereinsgrill angeworfen. Das Grillgut reichte gleich für zwei Abende!
Nebenan zelteten „Vandalen“, die bis zum Morgengrauen lautstark feierten und den Zeltplatz in weitem Umkreis an ihren „sonstigen“ Aktivitäten teilnehmen ließen. Auch jugendliche Vereinsmitglieder sind jetzt aufgeklärt. Einzig Britta und Peer waren nicht betroffen, denn Britta bewohnte eine gemietete Hütte an anderer Ecke des Zeltplatzes. Peer war der jüngste Urlauber und wurde von vielen Vereinsmüttern mal gehütet – wann trifft Mann/Frau schon mal so was Niedliches, Kleines?
Di. 02.08. 2005
Norbert hatte den Küchendienst auf „freiwilliger“ Basis eingeteilt, was auch meistens gut klappte. Fürs Frühstück hatten wir uns auf 8.30 Uhr geeinigt, aber mit der Zeit wurden wir immer früher, so dass wir am Ende der Fahrt um 8.30 Uhr schon fast fertig waren, frei nach dem Motto „Wer früh aufsteht bekommt auch warme Brötchen“. Renate und Martin waren immer früh auf und hatten den Kaffee schon fertig, wenn der Tischdienst begann. Walter handelte den Brötchenpreis runter, so dass wir 60 für den Preis von 50 Stück bekamen („Das hatten wir ja noch nie!“). Gegen 11°° war der Abwasch endlich getätigt und alle Boote im Wasser. Wir konnten direkt vom Zeltplatz aus ins Wasser! Die 10 km lange Vormittagstour führte durch Schleusen, von denen es etliche gibt, und mit Plan durch die verschiedenen „Fließe“. Zum Glück sind an den Fließen „Straßenschilder“, auch so ist die Orientierung manchmal noch schwierig. Das bekamen die Paddler besonders auf ihrer 13,5 km langen Tour am Nachmittag zu spüren, als sie einen Kahnfahrer nach dem Weg fragten. Die großen Kähne, oft voll beladen mit Touristen, die darauf an Tisch und Bänken mit Speisen und hauptsächlich Getränken sitzen, haben immer Vorfahrt. Sie werden gestakt und fahren daher an der flachen Seite. Ihr Kurvenverhalten war anfangs schwer abzuschätzen! Abends wurden die mitgebrachten „Reste“ gegrillt – und je später der Abend, desto lauter die angeheiterten Gruppen. Auch Walters und Franz‘ Beschwerden sorgten nur für kurze Unterbrechung des Lärms. Immerhin wurde eine Lärmgruppe nach Beschwerden beim Platzwart am nächsten Morgen vom Platz verwiesen.




Mi. 03.08.2005
Nach dem üblichen Kleinkram wurde bei Sonnenschein zur nach Plan nur 17 km langen „kleinen“ Leipe-Tour gestartet, welches aber als falsch heraus stellte. In der Mittagspause war es so warm, dass viele ihre Jacken auszogen – kurz darauf kam der Regen. Einige glaubten nicht daran, zogen keine Jacke an, und kamen schließlich nach 23,5 km pitschnass und durchgefroren am Zeltplatz wieder an. Die „Daheimgebliebenen“ erwarteten sie mit Kaffee und heißer Brühe. Einige sprachen dann davon, dass die Tour wohl „gefühlte“ 30Km lang war. Aber wir haben es nachgemessen und die 23,5 km sind i. O. Am Nachmittag wurden noch einige Dienste erledigt: Wir kauften für 10 Euro einen 10kg Eimer Spreewaldgurken, die an den Ständen für 50ct. das Stück verkauft wurden. Bis Ende der Fahrt war der Eimer locker geleert! Autan musste nachgekauft werden. Besonders Susanne, die es schließlich sogar mit essig-sauren Umschlägen versuchte, ernährte die Mückenschwärme. Nochmals ein großes Dankeschön dafür, dass sie einen großen Teil der Mücken selbstlos zu sich gelockt hat. Da Jan-Ole am nächsten Tag Geburtstag hat, und wir den Backofen im Verein vergessen hattenJ, mussten wir noch einen Geburtstagskuchen für Jan-Ole organisieren, vorrätig gab es um kurz vor 18°° in diversen Bäckereien keinen mehr, so das extra einer nach unseren Wünschen angefertigte wurde. Dann auch besonders lecker (nur zu klein). Außerdem wurde das Geburtstagsgeschenk für Jan-Ole – ein T-Shirt mit besonderem Druck- in Auftrag gegeben. Abends gab es Pellkartoffeln – wir mussten sogar Kartoffeln nachkochen – und Quark. Wer wollte kam anschließend mit in die kleinste Brauerei des Landes, 10 Min. Fußweg nach Liebenau, durch den Schlosspark, vorbei am Schlosshotel. Draußen war ein Schild zu lesen: „Hiermit wird bekannt gemacht, dass niemand in das Fließ reinmacht, denn morgen wird gebraut.“ Daher schmeckten die verschiedenen Biersorten auch besonders gut. Den leckeren selbst gemachten Himbeer-Likör gab es dummerweise nicht im Außer-Haus-Verkauf.




Do. 04.08.05 Jan-Ole‘s Geburtstag
Wir begrüßen Jan-Ole mit einem Geburtstagslied und befreiten Ihn für heute vom Tischdienst. Auf Wunsch des Geburtstagskindes (und weil alle lieber warmes Wasser von unten als kaltes von oben wollten) fuhren wir nach Liebenau ins Kristall-Wellenbad. Ein riesiger beleuchteter Amethyst begrüßte uns in der Vorhalle und vertrieb uns die Wartezeit, bis endlich alle vollzählig da waren (Was man nicht im Kopf hat, Norbert dachte wohl heute ist FKK-Baden, muss man im Tank haben). Zu ihrem Bedauern mussten die Kinder feststellen, dass sie aus dem großen Kristall keine kleinen Kristalle herauslösen konnten. Im Bad gibt es verschiedene Wellness-Bereiche, den Kindern gefiel natürlich die Superrutsche am besten. In einer Rutsche war es sogar ganz dunkel – das machte die Sache besonders spannend und Mika rutschte, was die Hose hielt. Es gab, entgegen anderer Erfahrungen aus den Vorjahren, keine Verletzten! Zurück auf dem Zeltplatz wurden wir mit Waffeln von Helga und Renate versorgt. Abends gab es Gemüsesuppe im größten Vereinstopf gekocht. Alles kam rein, was an Gemüse und Würsten gekauft worden war, zum Schluss reichte sie für zwei Tage. Jan, Torben und Jan-Ole verzogen sich nach dem Essen hinter die Bäckerbude zum Karten spielen und Mädchen treffen. Andere entdeckten die Happy-Bier-Hour für Camper, von 17.30-19.30 gibt es Bier zum Preis von 1,00Euro (und man muss nicht die Gläser abwaschen).

Fr. 05.08.05
Die Jugend war paddel-müde. Jan wollte lieber angeln. Er fing sogar ca. 200 mm lange Riesenfische, die wir abends grillten. Der Ansturm hielt sich in Grenzen, sodass wir am nächsten Tag noch etwas in Alufolie Gewickeltes in der Kühltasche fanden. Sven und Mika waren auch sehr interessiert am Angeln und durften mal mit. Hinterher klärte Mika Britta auf, dass Fische nicht mit Brot sondern mit „Pamehl“ (Paniermehl) gefangen werden. Also mussten die „Alten“ ran und die Paddel schwingen. Diesmal hatten wir uns die große Leipe-Tour ausgesucht. Pause war bei Pohlenz, einem der vielen Restaurants mit Anleger für Paddel-Boote. Es gab heiße Schokolade und Himbeerbrause. Mit ein paar Umwegen und Schleifen standen am Ende 23 km in unseren Büchern. Wieder zurück am Zeltplatz gab Jan-Ole Eis aus. Norbert hatte diverse Familienpackungen eingekauft und es gab endlich mal Eis satt und Rote Grütze! Am späteren Nachmittag waren natürlich die Paddler-Arme noch nicht müde und so ging es, nachdem der Hauptandrang der Touristen vorbei war, noch mal los zum Café Venedig, wo es Paddler-Schnaps und Paddler-Eis frei gab! Und Gratis eine Hochzeitskolonne auf den „Torfkähnen“

Sa. 06.08.05
Nachdem sich unsere Jugend nun 2 Tage vom Paddeln erholt hatte wollten wir die Hochwaldtour angehen. Einige entschieden sich für eine kürze Tour. Auch Peter, Gabi und Anna wollten nur das kurze Stück paddeln. Anna saß das erste Mal als Steuerfrau im Zweier und gab sich viel Mühe, auf dem rechten Weg zu bleiben. Die anderen gingen also auf Hochwaldtour, Max mit Sven im Zweier. Sonst half Sven immer seinem Opa Peter beim Paddeln. Im Hafen von Leipe, an der Hafeneinfahrt saß eine Strohpuppe.
Offensichtlich hatte Jan unterwegs keinen Zuhörer gefunden, jedenfalls unterhielt er sich so intensiv mit dieser Puppe, dass sie umfiel (zum Glück ist das keinem Paddler passiert). Er wollte sein Unheil wieder gutmachen, hatte aber große Schwierigkeiten, die Puppe wieder hinzusetzen. Auf halber Strecke mussten wir feststellen, das Malte gerade seine jugendliche “Null-Bock-Phase“ durchlebt. Also nahm Susanne sich seiner an und paddelte „Zurück“. Welches aber auf Grund der Kartenlesekünste zu einer Irrfahrt wurde. Doch trotz getrennter und unterschiedlich langer Touren trafen wir uns zur selben Zeit alle an der Schleuse kurz vor unserem Zeltplatz wieder! Und Wie immer in der Schleuse fing es an zu Regnen. Am Abend gab es Serbischen Reistopf nach Walters Art, welcher sich in dem riesigen Topf echt verloren vorkam. Aber es reichte wie immer für alle. Nachts war großes Hafenfest in Lübbenau wo wir alle hingingen, aber es war nicht viel los. Und auf das Feuerwerk um Mitternacht hatte keiner Lust zu warten und den „Kleinen“ wurde es verboten (Ausruhen für das Paddeln!!!).

So. 07.08.05
Heute wollten wir den vielen Spreewaldkähnen nicht in die Quere kommen und so hatte Norbert eine Besichtigung von der Abräumförderbrücke F 60 geplant. Das ist ein Besucherbergwerk in Lichterfeld, mit einer Gesamtlänge von 502m und einer Abtragshöhe von 60m – daher auch der Name. Das ganze Teil war nach nur 10 Monaten Betriebsdauer 1991 stillgelegt worden und dient jetzt als „Besucherbergwerk“, obwohl es nur oberirdisch ist. Für alle (bis auf Peer) wurden Helme verteilt und es gab eine sehr interessante Führung. Die Abraumlandschaft soll in ein Erholungsgebiet mit Seen verwandelt werden – vielleicht können wir hier dann mal paddeln. Am Ausgang wartete noch ein viel begehrtes Hamsterrad auf unsere kleinen und großen Kinder.

Nach unserer Rückkehr auf dem Zeltplatz amüsierten wir uns über die ausgehängten Schilder für Leihboote:
„Heute NUR 15Euro“ Wochentags kosteten sie 8Euro!

Da Britta immer viel mit Peer unterwegs war berichtet sie von einem Lokal in Lehde, wo es am Abend das Essen zum halben Preis gab. Flugs organisierte Britta einige Tische für den Abend. Und schon war der Tischdienst für heute arbeitslos und Norbert um etliche Euros ärmer.
Mo. 08.08.05
Nach unserem Frühstück, heute neuer Rekord 8:25 schon fertig (dummerweise kamen immer die gleichen „zu Spät“ und mussten sich Sticheleien anhören, gingen wir wieder aufs Wasser. Michael, die Kinder und ein paar andere „Ausgepowerte“ fuhren eine kurze Tour, waren dafür auch schon mittags zurück. Als Belohnung gab es Pfannkuchen von Barbara und Walter, gebacken auf dem neuen Vereinsherd. Dieser lässt sich viel besser regeln als der alte, somit macht das Backen mehr Spaß, die Töpfe werden nicht so verrußt und es wird weniger Gas verbraucht. Die anderen paddelten auf dem Südumfluter Richtung Burg. Susanne erkannte dabei eine Teilstrecke ihrer Irrfahrt, welche Sie mit Malte gefahren war, wieder. Pause machten wir wieder bei der Strohpuppe, welche sich aber immer noch nicht vollständig von dem Gespräch mit Jan erholt hatte. Am Ende standen dann 22 Km zu Buche und die letzten 500m wie immer im Regen. Heute verlassen uns Britta, Knut, Mika und Peer, was Mika sehr bedauerte: „Leider könnt ihr nicht mitkommen.“ Am Abend gab es Labskaus, welches aber dieses Mal etwas knapp bemessen war, so dass noch Nudeln nachgekocht werden mussten.

Di. 09.08.05
Jetzt wollen wir es aber wissen: Sonnenaufgangspaddeln von 6°°-8°° ! Wir waren sogar um 6.15 startklar, was für Finken sehr erstaunlich ist und sahen kurz die Sonne, ehe sie wieder hinter Wolken verschwand. Nach dem Frühstück, Die Langschläfer wurden wieder mit Kommentaren begrüßt, wurden die Boote geladen. Nachmittags wurde Minigolf gespielt. Martin war der Beste! Es gab Würstchen für alle und Jan (ganz der Sohn seines Vaters) erhandelte 6 Tüten Popcorn zum Preis von fünf! Am Abend haben wir dann das letzte Mal gegrillt.

Bei soviel Happy Hours und Verhandlungsgeschick der Vereinsmitglieder müssen wir einfach gut gewirtschaftet haben, sowohl beim Einkaufen als auch bei den Platzgebühren – alle Teilnehmer der Fahrt bekamen 50 Euro von Norbert zurück!

Mi. 10.08.05
Nach dem Frühstück und den üblich Frotzeleien packten wir unsere letzten Habseligkeiten zusammen und schafften es tatsächlich zu geplanten Uhrzeit um10°° Uhr zu starten! Ohne Probleme und Staus kamen wir um 17°° in Bremen wieder an und entluden den Gepäck- und Bootsanhänger.

Als Fazit kann man sagen es war eine schöne Fahrt, der Spreewald ist zum Paddeln wie geschaffen und: wir haben in den 10 Tagen ca. 2400km! erpaddelt. Der Campingplatz war in Ordnung, nur unsere grölenden Nachbarn störten. Zugegeben: Was nervte waren die vielen Mücken!