Impressionen von der
30. Rintelner Eisfahrt

von Ferdinant Freitag
Ja, die fast schon legendäre Eisfahrt, ein Termin der schon lange im Raum stand. Jahrelang hatte ich immer fast schon angeberische Berichte von "harten" Frauen und Männern, die bei Kälte, Schnee und Regen mitten im Winter zelteten. Schon seit zwei Jahren bekam ich die Frage gestellt: Und, wann kommst du mal mit? Dieses Jahr war es endlich soweit. Nach Booteaufladen im Verein fuhren wir bei sternklarem Nachthimmel und fast schon empfindlicher Kälte in Richtung Rinteln. Zwar ließ der vorne fahrende Klaus durch ein dringendes Telefonat eine Kreuzung aus, wir kamen aber trotzdem pünktlich beim Rintelner Zeltplatz an. Dort bauten wir unsere Zelte auf und begaben uns dann in Richtung Rinteln-City. Auf dem Weg dorthin wurde lebhaft über die Restaurantwahl diskutiert, wobei sich die Masse gegen den von Klaus bevorzugten "Schmierigen Imbiss" durchsetzen konnte. So begaben wir uns in eine Italienische Pizzeria wo dauernd VIVA lief. Das Essen war sehr gut, das Bier wurde schlichtweg vergessen und erst nach der Pizza serviert. Nachdem Essen ging es dann wieder unter das Tarp, wo Tee mit Rum aufgesetzt wurde. Die kalten Temperaturen merkte man jetzt doch schon etwas mehr, so dass man sich doch sehr fest an die heiße Tasse krallte.

Letztes Jahr fuhr Jan Lemmermann (Lemmi) nachdem er erst dreimal im Boot saß, schon einmal bei der Eisfahrt mit. Er ist das, was er selber als Minimalist beschreibt. Wenn er eine Tour unternimmt, dann mit wenig oder noch weniger Gepäck. Einen tiefen seelischen Schlag (den er bis heute noch nicht verdaut hat)erlitt er, als Julia am Abend bat, man möge ihr doch ihre Wärmflasche in Form eines Schafes mit heißem Wasser aufzufüllen. Dieses Jahr bekam Lemmi ein eigenes Lämmi, worüber er so erstaunt und verschreckt war, dass er ungefähr eine Minute kein Wort über die Lippen bringen konnte. Doch auf die Frage, ob wir ihm denn Wasser aufbrühen sollten, kam die laute und prompte Antwort: "NEIN!!!!!".

Nach ein paar Tässchen Tee und vielen lustigen Geschichten, ging es dann so gegen ein Uhr ins Zelt (wo sich der eine auf seinen warmen, der andere auf seinen kalten Schlafsack freute. Es musste ja am nächsten morgen früh aufgestanden werden, da ja auch dem eigentlichen Teil der Fahrt, dem Paddeln gefrönt werden sollte. Nach ausgiebigem Frühstück mit Brötchen und Nutellabruchstücken, fingen wir dann an zu packen. Jetzt trafen auch die letzten drei unserer Gruppe ein, die die Nacht noch in ihren warmen Betten verbracht hatten. Wir schnallten den Bootsanhänger ans Auto und fuhren nach Hameln, von wo wir lospaddeln wollten. Die Weser floss so schnell, das wir eigentlich nichts taten, außer das Paddel durch Wasser gleiten zu lassen. Zwischendurch machten wir noch eine Glühwein und Teepause, die aber sehr schnell gestört wurde, weil die Weser uns nach außen in die Büsche schleuderte. Nach 27 km waren wir an unserem Zeltplatz angekommen und aßen die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone.

Am Nachmittag, nach dem die Autos wieder in Rinteln waren, beschlossen wir, den Rintelner Klippenturm zu besuchen. Dorthinauf musste man allerdings laufen. Nur die Aussicht auf einen warmen Kakao lockte einige doch noch auf den Berg. Die Aussicht war (wie ich zugeben muss) echt Klasse, den Kakao konnte man auch trinken, so dass sich dieser Ausflug gelohnt hatte.

Nächste Station war der Rintelner Weihnachtsmarkt. Dort lauschten wir gebannt der deutschen Sängernachwuchshoffnung Mathias Lück (nicht zu verwechseln mit Ingolf), der sich aber, weil es erst 18:oo Uhr war, auf Kinderlieder beschränkte. So lernten wir u. a. das zwei Bananen schon fast ein Kreis sind und es mit Stöpsel beim Nilpferd Hippo besser geht (es war ein Kinderlied).

Nach den einprägsamen Melodien ging es dann ins Restaurant. Die urgemütliche Kneipe hatte eine superleckere Hausmannskost. Doch auch dieser Restaurantbesuch ging einiger Zeit zu Ende und wir widmeten uns wieder unserem TeemitRum. Anscheinend waren wir an diesem Samstagabend erheblich besser in Form, denn wir schafften in kurzer Zeit ungefähr einen Liter Rum mit Tee zu vermischen und vor allen Dingen noch warm auszutrinken. Nach Forschungen soll man ja angeblich nach Alkoholgenuss mehr frieren, da sich die Poren weiter öffnen, aber das ist ja immer Sache des Betrachters.

Jedenfalls schliefen wir bis tief in den nächsten Morgen hinein und bröckelten uns dann wieder die Nutella aufs Brötchen. Nach dem Abbau der Zelte fuhren Britta, Steffi und Helge schon nach Hause, wir aber machten einen kleinen Umweg über Minden, um uns da das Wasserstraßenkreuz anzusehen, das Weser und Mittellandkanal bilden. Dort gibt es auch eine Schachtschleuse aus dem Jahre 1911, die einen Hub von durchschnittlich 13,20 m hat.

Nun fuhren wir aber endgültig nach Hause, mit der Gewissheit, ein schönes, aber kaltes (bis -4°C) Wochenende verlebt zu haben. KALT!!!