Leuchttürme
mit dem Kajak nach Wangerooge

von Klaus Froehner

Kurzfristig haben wir uns entschieden doch eine Großgewässertour zu machen. Der Wetterbericht sagte nur 1-3Bft. Wind voraus und die Tidenzeiten waren nicht ganz unmöglich. Wir wollten also nach Wangerooge. Ausgangspunkt war der Hafen in Wangersiel, besser bekannt als Horumersiel. Hier gibt es kostenlose Parkplätze und man kann über den Anleger des örtlichen Yachtclubs hervorragend einsteigen. Da es auf Wangerooge schon seit Jahren keinen Campingplatz mehr gibt, brauchten wir Zelt und Schlafsäcke erst gar nicht mitzunehmen, und so war das restliche Gepäck auch schnell in den Booten verstaut.

Beim Verlassen des Hafens kam uns gleich ein Rettungskreuzer der DGzRS entgegen. Zum "Tag der Seenotretter" sollte er wohl das 9 Meter Strandrettungsboot, das sowieso in Wangersiel stationiert ist unterstützen.

Radarturm Buhne C Wir machten uns jetzt aber auf, Richtung Minsener Oog. Nach gut einer Stunde erreichten wir den Südzipfel der künstlichen Vogelinsel. Bis auf diesen kleinen Trittstein am südlichen Ende ist die ganze Insel Vogelschutzgebiet Zone 1 und darf nicht betreten werden. Leuchtturm Buhne A Auf dem markanten Radarturm wohnt die wachsame Naturschutzwartin, die sich auch sofort auf den langen Weg machte durch auffliegende Vogelschwärme um zu sehen was wir denn auf ihrer Insel vorhaben, oder vielleicht doch nur für einen kurzen Plausch und einen Schokoladenkeks? Zumindest haben wir uns bald wieder von ihr verabschiedet und unsere Tour östlich um Minsener Oog herum fortgesetzt. Hinterm alten Turm von Buhne A mussten wir dann deutlich vorhalten um nicht durch den starken Ebbstrom in der Blauen Balje weit nach Norden versetzt zu werden.

neuer Leuchtturm Wangerooge Weiter ging ´s immer am Nordstrand von Wangerooge entlang. Bis zum neuen Leuchtturm, dessen rotes Feuer mit 1600Watt in 62 Meter Höhe 23SM weit auf die Nordsee hinaus scheint. Also, fast in Helgoland noch zu sehen ist. Kurz vor der Buhne H, die eineinhalb Kilometer ins Gatt zwischen Spiekeroog und Wangerooge hineinreicht und verhindern soll, dass der starke Ebbstrom die Westküste weiter abträgt, haben wir Pause gemacht bis wir bei nahezu stehendem Wasser, einfach in den Hafen paddeln konnten. Eine kurze Frage beim Hafenmeister und für unsere Boote war ein trockenes Plätzchen unter den Pfahlbauten gefunden. Nun mussten wir nur noch eine Übernachtungsgelegenheit für uns gefunden werden.

WestturmDer Westturm, heute Jugendherberge, früher als Landmarke für die Navigation erbaut. Wir bekamen ein Zimmer im obersten Stockwerk mit einem herrlichen Blick auf Spiekeroog. Leuchtturmwärter ist eben doch ein Traumberuf.

Um für den Rückweg die Tide nicht zu verpassen mussten wir uns jedoch schon wieder früh auf den kurzen Fußmarsch zum Hafen machen. Aber ein traumhafter Sonnenaufgang hinter Minsener Oog entschädigt auch für die kurze Nacht. Erstmal ging es flott mit auflaufendem Wasser im Priel zur Ostspitze wo noch einige Pfahlreste der alten Inselbahn zu sehen sind. In der Minsener Balje beobachteten uns einige neugierige Robben. Voraus ein dunkler Körper, sollte das etwa ein toter Seehund sein? Man sah nur den Rücken an der Wasseroberfläche direkt zwischen unseren Booten. Ich wollte ihn gerade mit dem Paddel berühren, da tauchte der Seehund schnell ab. Der hatte wohl noch geschlafen. Kein Wunder am Sonntag um diese Uhrzeit, aber die Seeschwalben auf Minsener Oog waren ja auch schon richtig wach, unüberhörbar! Diesmal machten wir keine Pause, sondern paddelten auf direktem Weg nach Horumersiel zurück. Lecker frühstücken.